Farin Urlaub

Wann hast du mit dem Fotografieren, also dem bewussten Fotografieren, angefangen?
Es war ein langsamer Übergang vom Gelegenheitsknipsen auf Reisen zum "richtigen" Fotografieren. Ernsthaft los ging es mit meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera, die ich mir 2004 geholt habe.

Reisen und Fotografieren erscheinen als naheliegende gemeinsame Beschäftigungen. Ist das für dich so? Und fotografierst du zu Hause eigentlich auch?
Zu Hause fotografiere ich in erster Linie zu Übungszwecken - um mich mit meiner Ausrüstug vertraut zu machen, damit ich mich am eigentlichen Motiv darauf verlassen kann, dass es hinterher so aussieht, wie ich es mir vorstelle. Das ist natürlich bei den modernen Digicams sehr einfach direkt nach dem Abdrücken zu kontrollieren; bei meinem alten Mittelformat-Filmmonster muss ich hingegen auf die Entwicklung warten (was bei einigen Reisen Monate dauert).

Gibt es "langweilige Länder", aus deiner Fotografensicht heraus?
Für mich ist alles spannend, was - für mich - ungewöhnlich ist; da ich in Mitteleuropa lebe, finde ich Teerstrassen mit modernen Autos und Häusern nicht so aufregend. Andererseits gibt es viele Fotografen, die auch in vertrauter Umgebung unglaublich aufregende Bilder machen können. Das ist nicht meine Stärke, das bewundere ich schon.

Was fotografierst du? Hast du Vorlieben, etwa für Motive, Themen, Stimmungen, Farben?
Ich mag ganz verschiedene Sachen. Was mir auffällt, wenn ich nach einer Reise die gesammelte Ausbeute betrachte: es gibt schon immer wiederkehrende Motive. Strenge Strukturen beispielsweise mag ich sehr, kontrastreiche oder farbvolle Bilder, die eigentlich nichts Konkretes abbilden. Dann fotografiere ich gerne Menschen; am liebsten solche, die gerne fotografiert werden. Da war Indien ein sehr dankbares Land; aber es überrascht mich immer wieder, wie sehr sich fast überall Kinder und Erwachsene über ihre Bilder freuen.
Landschaften sind ein wichtiges Thema für mich; wie fängt man Weite ein? Oder einen unendlich hohen Himmel? Oder wie zeige ich einen dichten Wald so, dass er auch auf einem kleinen Foto noch dicht und mächtig erscheint? Das sind Fragen, über die ich mir richtig gerne den Kopf zerbreche; dann mache ich ein paar Bilder und bin am Ende überrascht, was zweidimensional funktioniert und was nicht. Da lerne ich auch viel von anderen Fotografen; meine Bildbandsammlung zuhause wächst und gedeiht.

Was macht ein Foto für dich gut, zeigenswert?
Da halte ich es wie mit meinen Liedern: was mir gefällt, zeige ich. Das ist nicht immer kongruent mit der Meinung des Empfängers, aber ich muss und will ja auch keine Erwartungen erfüllen.

Der Erfolg eines Musikers lässt sich an Plattenverkäufen und Konzertbesuchern messen. Gibt es einen Erfolgsmaßstab für dich als Fotografen?
Das mit dem Erfolg bei der Musik hat mich zwar immer gefreut, war aber nie der Beweggrund fürs Lieder schreiben. So ist es auch mit den Fotos: es macht mir einfach Freude! Und wenn ich ein Motiv sehe und das Foto dann auch noch so wird, wie ich es mir vorgestellt habe, bin ich glücklich. Das ist mir Erfolgserlebnis genug, zumindest bisher.

Deine Leben als Musiker und Fotograf scheinen strikt getrennt. Oder fotografierst du auch auf Tour oder im Studio?
Wir haben während der letzten DÄ-Produktion fotografiert, aber das war mehr so husch husch, schnell schnell. Nicht sehr befriedigend. Beim Racing Team wars auch nicht besser; da ich auch produziert habe, blieb wenig Zeit für Bilder. Auf Tour habe ich die Kamera dabei, aber so richtig Ernst mache ich bis jetzt nur auf Reisen.

Bist du Autodidakt? Kümmert dich die "Theorie", das "Handwerk" beim Fotografieren?
Anfangs habe ich mich einfach auf die Kamera verlassen, aber das hat mir bald nicht mehr gereicht. Dann habe ich mich hingesetzt und Theorie gelesen; die Kameras geschnappt und das Gelernte angewandt. Jetzt werden manche Bilder - zum Beispiel mit meiner Panoramakamera - richtiggehend zelebriert; mit Entfernungs- und Belichtungsmessung, Wasserwaage und allem Pipapo. Da kann ein Bild schon mal zehn Minuten in Anspruch nehmen; hinterher stimmts dann aber auch. Meistens...

Digital oder analog?
Je nach Situation. Ich mag Film mittlerweile sehr; aber wenns schnell gehen soll, ist Digital einfach besser - um Tocotronic zu zitieren.

Wie wichtig ist die Fotoausrüstung für dich? Was benutzt du gern oder notwendigerweise zum Fotografieren?
Ich war schon immer ein Equipment - Freak, was man an meinen Gitarrenverstärkern ganz gut sehen kann.
Wenn ich jetzt mit meinem Jeep unterwegs bin, habe ich sehr viel Fotozeug dabei - aber ich gehe auch mit meiner Mini - Minolta los. Es hängt davon ab, was ich hinterher mit den Bildern machen will; für den zweiten "Unterwegs" - Bildband hatte ich wirklich eine massive Ausrüstung dabei; auf meiner letzten Reise nach Nahost hat mir eine kleine Spiegelreflex gereicht.

Bearbeitest du die Bilder nach, Stichwort "Photoshop"?
Photoshop benutze ich höchstens, um mal ein störendes Stromkabel aus einem Bild zu fälschen; aber die Farbangleichung etc. nehme ich in Lightroom vor. Je grösser die Bilder hinterher gedruckt werden, desto "sauberer" müssen sie sein; am Coverfoto für "Die Wahrheit übers Lügen" habe ich sehr lange gesessen, um die Staubflecken vom Dia- Scan zu entfernen.

Kann man dich als Fotograf engagieren?
Nö.